SEK: Schweizer Vorsitz Europarat: Priorität Menschenrechte

Der SEK begrüsst das Engagement des heute beginnenden Schweizer Vorsitzes des Europarates um die Stärkung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte.

Der Europarat umfasst 47 demokratische Staaten Europas. Sein Ziel ist die Förderung der Demokratie sowie der Schutz der Menschenrechte und der Rechtsstaatlichkeit in Europa. Jeder Mitgliedsstaat übernimmt turnusmässig für ein halbes Jahr den Vorsitz des Ministerkomitees, des Entscheidungsorganes des Europarates. Vom heutigen 18. November an hat die Schweiz den Vorsitz.

Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund begrüsst das Engagement der Eidgenossenschaft im Europarat. Dieser nimmt unverzichtbare Aufgaben im vielfältigen Europa der 47 Staaten und 800 Millionen Menschen wahr. So wacht der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte als Organ des Rates über die Einhaltung der Europäischen Menschenrechtskonvention in den Ländern. Der SEK begrüsst ausdrücklich, dass die Schweiz der Stärkung des Gerichtshofes und somit der Menschenrechte höchste Priorität während ihres Vorsitzes zumisst.

Der Europarat bezieht über die „Konferenz der Nichtregierungsorganisationen“ auch die Kirchen und Religionsgemeinschaften in seine Arbeit ein. Die evangelischen Kirchen können so den christlichen Beitrag zu einem europäischen Wertekonsens einbringen. Dazu ist der Kirchenbund über die Konferenz Europäischer Kirchen KEK an der Arbeit der Konferenz beteiligt. Der SEK erachtet den Einbezug der Zivilgesellschaft als eine wichtige Voraussetzung für einen transparenten Dialog. Er erwartet, dass sich die Schweizer Vertretung während ihres Vorsitzes um die aktive Beteiligung der Schweizer Nichtregierungsorganisationen bemüht.

Dem Engagement des Europarates im interkulturellen Dialog schenkt der SEK dabei eine besondere Aufmerksamkeit. Die Schweiz hat hier als dezentraler Staat mit einer langen Tradition des Einbezuges regionaler und kultureller Gegebenheiten eine grosse Kompetenz. Die evangelischen Kirchen haben mit ihrem Prinzip der Einheit in versöhnter Verschiedenheit diese Kultur mit geprägt. Der Kirchenbund ermuntert die Schweizer Vertretung im Europarat, diese Kompetenz während der Zeit ihres Vorsitzes einzubringen. Durch seine Mitarbeiterin bei der KEK in Strassburg trägt der Kirchenbund darin zur Stärkung der Rolle der Religionen bei.

SEK: Armut macht krank

Armut und Krankheit sind ein Teufelskreis, der sich durch die aktuelle Entwicklung des Schweizer Gesundheitssystems noch verschärfen könnte, so die Diakoniekonferenz des SEK am 10. November in Bern. Die Gesundheitskompetenz gelte es zu fördern.

Armut macht krank. Mit dieser These setzte sich gestern die Diakoniekonferenz des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK auseinander. Die Delegierten der Mitgliedkirchen sowie der diakonischen Einrichtungen in der Schweiz debattierten dazu in Bern mit verschiedenen Fachpersonen.

„Armut und Krankheit sind ein Teufelskreis“ belegte Martine Kurth, Geschäftsführerin der Konferenz für Sozialhilfe Westschweiz und Tessin ARTIAS anhand verschiedener Studien. So sei die Sterblichkeitsrate armer junger Männer unter 18 in Kanada dreimal höher als die reicher. Junge Frauen in Armut werden dort – mit siebzehnfach höherer Wahrscheinlichkeit – mit weniger als zwanzig Jahren bereits Mutter. Eine Studie der Universität Genf zeigte, dass 2005 in Genf die Sterblichkeitsrate an Prostatakrebs bei armen Männern doppelt so hoch lag wie bei wohlhabenden.

„Durch die aktuelle Verschärfung des Gesundheitssystems können die Schwierigkeiten noch zunehmen“, so Kurth. Die 2006 in der Schweiz eingeführte Möglichkeit für die Versicherungen, Leistungen bei zahlungsunfähigen Patienten einzubehalten, sei erst vor einem Monat durch den Nationalrat wieder rückgängig gemacht worden. In der Zwischenzeit wurden 150 000 Personen durch eine Streichung der Leistungsrückerstattung getroffen.

Thomas Abel, Professor am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern, erläuterte einige statistische Zusammenhänge zwischen Armut und Gesundheit. Die subjektive Einschätzung der Gesundheit sei bei Spitzenverdienern mehr als siebenmal so gut wie bei Geringverdienenden. Genau so sei die Wahrscheinlichkeit für chronische Erkrankungen bei gut verdienenden deutlich geringer als bei schlecht verdienenden.

Gesundheit, so Abel, hänge von mehreren Faktoren ab. Dazu zählen neben dem Einkommen auch die Wohnbedingungen, Werte, Normen und Wissen sowie Fähig- und Fertigkeiten. Je nach Zugang zu vermittelnden Personen und Instanzen, je nach Ressourcen also, ergäben sich weniger oder mehr „Handlungsoptionen des Gesundheitsverhaltens“. Gesundheitskompetenz, betonte Abel, sei die Fähighkeit, „so zu entscheiden und zu handeln, dass es für mich und meine Umwelt gesund ist“. Diese Kompetenz müsse gefördert werden. Das könnte unter anderem durch Sprachkurse für Migranten, aber auch schon durch allgemeine Lernziele in der Schule erreicht werden. Auch Kurth präzisierte ihre Forderungen: Der Staat müsse für alle solche Lebensbedingungen schaffen, die eine aktive Teilhabe am Leben ermöglichten.

Die Diakoniekonferenz ist eine Reflexionsplattform des SEK, die sich zweimal jährlich zu ausgewählten Themen versammelt. Jede Mitgliedkirche des SEK entsendet einen Vertreter oder eine Vertreterin an die Diakoniekonferenz, während die grösseren diakonischen Einrichtungen mehrere Sitze wahrnehmen können. Eine Delegation der Diakoniekonferenz ist an der Abgeordnetenversammlung des SEK mit zwei Sitzen vertreten..

KWV: Die Weite der Kaiserswerther Gemeinschaft gefördert

Anlässlich des 80. Geburtstages von Direktor i.R. Pastor Günther Freytag erinnert der Kaiserswerther Verband an den ehemaligen Verbandsdirektor und seine Frau.

„Das organisatorische Geschick, die Förderung theologischer Arbeit, das Anstossen der geistlichen Ausstrahlung und die fast unbegrenzte Gesprächsbereitschaft von Waltraud und Günther Freytag haben den Kaiserswerther Verband fast vierzehn Jahre geprägt.“ Mit diesen Worten ehrte die Geschäftsführerin des KWV Christine-Ruth Müller heute den langjährigen Einsatz des ehemaligen Verbandsgeschäftsführers und seiner Frau.

Direktor i.R. Pastor Günther Freytag, der am 11. November seinen 80. Geburtstag feiert, war in den Jahren 1978-1991 Direktor des KWV und der Kaiserswerther Generalkonferenz, des weltweiten Zusammenschlusses von Diakonissenmutterhäuser Kaiserswerther Prägung. Seine Anfang diesen Jahres verstorbene Frau Waltraud arbeitete zeitgleich als Mitarbeiterin in der Geschäftsstelle des KWV in Bonn.

Die Amtszeit des Ehepaares war geprägt vom Übergang, so Müller weiter. Die Struktur der Diakonissenhäuser und ihrer Werke sowie die Aufgabenstellung des Verbandes wandelten sich. „Nicht zuletzt die dramatische Entwicklung zur deutschen Wiedervereinigung“ forderten zudem ein hohes Mass an Engagement. So führte Freytag nach der Maueröffnung die beiden Kaiserswerther Verbände Ost und West zusammen. Für sein Engagement in der Versöhnungsarbeit mit der Diakonie in Osteuropa erhielt Günther Freytag das Bundesverdienstkreuz. Unter anderem suchten die Freytags die während des kalten Krieges im Untergrund lebenden enteigneten Diakonissen in Rumänien und Ungarn auf und sicherten durch Spenden der west- und ostdeutschen Mutterhäuser ihr Überleben.

„Das Ehepaar Freytag hat die Weite unserer Gemeinschaft gefördert“, so Müller. Den Schwestern der Mutterhäuser sei Günther Freytag genauso Seelsorger gewesen wie den Amtsbrüdern ein „nicht unkritischer, aber immer verständnisvoller Begleiter und Berater“. Während seiner Amtszeit sei im Verband ein „Verstehensprozess in Gang gesetzt worden, der die Vielfalt der Wege schwesternschaftlicher Diakonie als einen besonderen Reichtum darzustellen vermochte“. Ein wichtiger Beitrag sei dabei auch die Dissertation Freytags aus dem Jahr 1997 über die Entwicklung der Verbandsschwesternschaft gewesen.

SEK: Abgeordnete diskutieren finanzielle Zukunft des Schweizer Protestantismus

Eine Kommission soll eine Grundlage für die zukünftige Finanzplanung des SEK und seiner Mitgliedkirchen finden, beschloss heute die Abgeordnetenversammlung im Berner Rathaus.

Die Abgeordnetenversammlung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) setzte heute während ihrer Session im Berner Rathaus eine Kommission zur Analyse der finanziellen Entwicklung in den Mitgliedkirchen ein. Ziel ist, eine Grundlage für die zukünftige Finanzplanung des SEK und seiner Mitgliedkirchen zu finden. Diese Kommission soll die kirchenübergreifenden Aufgaben im Schweizer Protestantismus und deren Finanzierung auf mögliche Synergiegewinne überprüfen. Thomas Wipf, Ratspräsident SEK, bezeichnete die Entscheidung der AV als einen „historischen Moment für den Schweizer Protestantismus“. Zum ersten Mal in der Geschichte werde eine Übersicht aller kirchenübergreifenden Organisationen der Schweiz und deren Finanzierung erarbeitet.

Die AV beauftragte den Rat SEK ausserdem, ihr ein um 2% der Mitgliederbeiträge vermindertes Budget für 2011 vorzulegen. Zugleich soll der SEK aufzeigen, welche Aufgaben deshalb von ihm nur noch reduziert oder gar nicht mehr wahrgenommen werden können.

14. Die Abgeordnetenversammlung bestätigte ausserdem die zur Wiederwahl gestellten René R. Hürlimann und Walter Schmid in den Stiftungsrat der Stiftung Hilfswerk Evangelischer Kirchen Schweiz HEKS für die Amtsdauer 2010-2013. Ebenso bestätigte die AV Isabelle Ott-Baechler (Boudry), Ursula Walti Debrunner (Aarau) sowie Michel Moser (Le Mont-sur-Lausanne) für den Stiftungsrat Brot für alle BFA.

SEK: SEK gibt Handlungsempfehlungen zur Taufe

Der Rat SEK legt der Abgeordnetenversammlung Empfehlungen für die Taufhandlung vor und wird beauftragt, Formulierungsvorschläge für Kirchenordnungstexte zum Thema Taufe zu entwickeln.

Der Rat SEK empfiehlt seinen Mitgliedkirchen, die formalen Voraussetzungen für eine Taufe kirchenrechtlich zu regeln sowie Formulierungen für die Kirchenordnung zu prüfen, die den Zusammenhang von Taufe und Kirchenmitgliedschaft verdeutlichen. Zur Taufe eines Mündigen gehöre der Besuch eines Vorbereitungskurses und der Eintritt in die reformierte Kirche. Bei der Taufe von Kleinkindern sollte mindestens ein Elternteil Mitglied der evangelischen Kirche sein. Zudem brauche es eine angemessene Vorbereitung der Eltern auf die Taufe und ihre Verpflichtung auf christliche Erziehung. Voraussetzung für die Wahl der Paten soll sein, dass mindestens ein Pate oder eine Patin einer christlichen Kirche angehört.

Mit diesen Empfehlungen hat der Rat des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) gestern seiner Abgeordnetenversammlung das Positionspapier „Die Taufe in evangelischer Perspektive“ vorgelegt. Darin stellt er die verschiedenen Aspekte einer evangelischen Taufe zusammen und gibt Empfehlungen für die Praxis der Taufe. Damit soll die Diskussion unter den Mitgliedkirchen SEK angeregt, eine erste Orientierung gegeben und ein gemeinsames Verständnis von Lehre und Praxis der Taufe gefördert werden.

Die Taufe ist Gegenstand intensiver Diskussionen. In der Öffentlichkeit wird die Einforderung des Versprechens einer christlichen Erziehung teils als Zumutung für die Eltern und Paten empfunden. Ebenso wird der Respekt vor der eigenen weltanschaulichen Entscheidung des Heranwachsenden als Argument gegen die Taufe Unmündiger angeführt. Innerkirchlich wird immer wieder darauf hingewiesen, dass die Taufe die Voraussetzung zum Empfang des Abendmahles ist.

SEK: Thomas Wipf für einen Grundkonsens der Religionen

Es braucht einen verbindlichen „Grundkonsens über die Voraussetzungen des Zusammenlebens“ zwischen den Religionen, so SEK-Ratspräsident Thomas Wipf während der Abgeordnetenversammlung des Kirchenbundes.

„Der Dialog zwischen den Religionen in der Schweiz braucht eine neue Qualität“, so Pfarrer Thomas Wipf, Ratspräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK). Mit dem traditionellen Wort des Ratspräsidenten legte Wipf den rund siebzig Delegierten der Abgeordnetenversammlung des SEK heute in Bern dazu seinen Vorschlag vor: „Um insbesondere im Dialog mit dem Islam weiterzukommen, ist zwischen den Religionen ein Grundkonsens über die Voraussetzungen des Zusammenlebens notwendig geworden.“ Dieser, so Wipf, solle „gemeinsam ausgehandelt, in einem Dokument festgehalten und verbindlich beschlossen“ werden.

Wipf nannte einige Elemente aus evangelischer Sicht für ein solches Dokument. So erwarteten die evangelischen Kirchen von den anderen Religionen eine Sensibilität für das christliche Erbe der Schweiz. Gleichzeitig sei die Vielfalt der Konfessionen ein Zeichen der Stärke. Religion dürfe jedoch keine Macht für sich in Anspruch nehmen und Herrschaft ausüben wollen. So beinhalte die Religionsfreiheit auch das Recht, keine Religion zu haben und die Religion zu wechseln.

„Die Religionen sollten anerkennen, dass unser Staat auf dem Recht beruht und nicht auf dem Bekenntnis zu einer bestimmten Religion“, so Wipf weiter: „Es gibt neben Verfassung und Gesetz keine religiösen Sonderrechte.“

„Die Schweiz diskriminiert die Muslime nicht.“ Das Zustandekommen der Volksinitiative „Gegen den Bau von Minaretten“, sei auch Ausdruck von Befürchtungen der Bevölkerung gegenüber dem Islam. Sie sei jedoch „untauglich und kontraproduktiv“. Die Initiative verletze das Grundrecht auf Religionsfreiheit und sei entschieden abzulehnen. Ihr Stil „passt nicht zu einer demokratischen Diskussionskultur“ und entlarve sich selbst. „Die Kirchen halten dem Konzept des Kampfs der Kulturen das Konzept des Dialogs der Religionen entgegen“, betonte Wipf.

SEK: „Ihre Echtheit gibt der evangelischen Kirche ein Gesicht“

Der Ratspräsident des SEK Thomas Wipf gratuliert Margot Kässmann zur Wahl als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland.

„Mit Ihnen bleibt die Evangelische Kirche in Deutschland Gesellschaftskirche.“ Mit diesen Worten überbrachte Pfarrer Thomas Wipf, Ratspräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), seine Glückwünsche an die heute gewählte Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Margot Kässmann.

„Ihre Echtheit macht den evangelischen Glauben auch für Menschen zugänglich, die wenig Kontakt zur Kirche haben“, so Wipf weiter. „Sie sind glaubwürdig, zugänglich, verständlich. Sie geben der Evangelischen Kirche in Deutschland ein Gesicht.“ Kässmann erinnere daran, dass der Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung „zum Kirchesein schlechthin gehört. Gleichzeitig setze sie sich als profilierte evangelische Theologin dafür ein, „dass die Kirche sich in innovativer und offensiver Weise bemüht, Menschen zu einem Glauben zu führen, der sie befreit und ihr Leben erneuert“.

Zwischen EKD und SEK habe sich in den letzten Jahren „eine Zusammenarbeit ergeben, die zu einem regelmässigen Austausch über gemeinsame Themen geführt hat“. Dies sei auch im Hinblick auf die evangelische Zusammenarbeit in Europa wichtig, die in der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) eine „neue Qualität und theologisch-gottesdienstliche Tiefe“ erhalte, sagte Wipf, der auch Präsident der GEKE ist.

„Behaltet Luther nicht für Euch allein!“, appellierte Wipf mit Blick auf die bis 2017 andauernde Reformationsdekade auch in seinem Grusswort vor der Synode der EKD in Ulm. „Wir haben Johannes Calvin, den Weiterentwickler und Globalisierer der Reformation auch mit Euch geteilt.“

Innerkirchliche, aber auch sensible gesellschaftspolitische Themen müssten vermehrt länderübergreifend angegangen werden, so Wipf weiter. „Wir müssen die unterschiedlichen kulturellen Voraussetzungen kennen, welche den öffentlichen Diskussionen zugrunde liegen.“ Den Menschen, „die unsere Kirche ausmachen“, könne „viel mehr an öffentlicher Debatte und Urteilskraft“ zugemutet werden.

SEK: Die meiste Arbeit in der Schweiz wird unbezahlt geleistet

In der Schweiz übersteigt unbezahlte Arbeit bezahlte um zwanzig Prozent. Den grössten Teil davon leisten Frauen. Dies müssen die Kirchen neu thematisieren, so die Frauenkonferenz des SEK gestern in Bern.

Mehr als drei Viertel gesellschaftlich unverzichtbarer Pflege- und Betreuungsarbeit wird unbezahlt von Frauen geleistet. Solche „Care Ökonomie“ bleibt jedoch in den offiziellen Statistiken unsichtbar. Durch die Wirtschafts- und Finanzkrise werden die Budgets der sozialen Dienstleistungen und des Gesundheitssektors knapper. Was heisst das für die Kirchen und deren diakonischen Einrichtungen? Mit dieser Frage beschäftigte sich die 18. Frauenkonferenz des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, zu der sich rund sechzig Delegierte der Mitgliedkirchen am 26. Oktober in Bern versammelten.

8,4 Milliarden Stunden unbezahlter Arbeit wurden 2004 in der Schweiz geleistet, so Brigitte Schnegg in ihrem Vortrag. Dies entsprach 64% des Bruttosozialproduktes. Demgegenüber standen 6,9 Milliarden Stunden bezahlter Arbeit. Die Leiterin des Interdisziplinären Zentrums für Geschlechterforschung der Universität Bern betonte, dass Frauen dabei mehr als doppelt so viele unbezahlte als bezahlte Stunden leisten. Während das Engagement bei Männern ausserdem in den verschiedenen Lebensphasen gleich bliebe, verrichteten Frauen zwischen 25 und 39 Jahren im
Verhältnis die meiste unbezahlte Arbeit. Dies kollidiere oft mit dem Ziel einer Berufskarriere.
Gleichzeitig bedeute auch eine Erhöhung des Rentenalters für Frauen „schwer abschätzbare Folgen für das Gesundheits- und Pflegewesen“ und das Gleichgewicht aus bezahlter und unbezahlter Arbeit.

Der Wert der unbezahlten Arbeit entsprach 2004 dem dreieinhalbfachen der Einkommens- und Vermögenssteuer, so die Ökonomin Mascha Madörin. Die traditionelle Ökonomie übergehe jedoch „auf barbarische Art“ den Wert unbezahlter Arbeit. Die Betreuung kleiner Kinder werde wesentlich mehr unbezahlt geleistet als die Betreuung alter und kranker Menschen, so Madörin weiter: „Die Behauptung, alte Menschen kosten nur, ist also falsch.“

Die Kirchen, so die Soziologin und ehemalige Neuenburger Synodalrätin Jacqueline Lavoyer-Bünzli, hätten sich aus dem Bereich der Care Ökonomie zu weit zurückgezogen, nun gelte es, die eigene Rolle „im aktuellen Kontext neu zu interpretieren und einzubringen“. Dies müsse abgekoppelt von der Frage der Bezahlung dieser Dienste geschehen. Bestätigt wurde dies von Céline Ehrwein Nihan, Beauftragte für Sozialethik des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes: „Die quantitative ökonomische Erfassung unbezahlter Pflege- und Hilfsleistungen läuft Gefahr, den eigentlichen Wert dieser menschenverbindenden Gabe zu gefährden.“

In Workshops wurde das Thema „Care Ökonomie als Aufgabe für die Kirchen“ konkretisiert. Auf Bundesebene solle sich die Kirche gegen eine Erhöhung des Rentenalters stark machen, auch um negative Konsequenzen im Care-Bereich zu verhindern, so die Teilnehmerinnen. Für die diakonische Arbeit wurden Vorschläge zur Unterstützung der in der Care-Arbeit aktiven Menschen präsentiert.

SEK: Public response to Calvin Jubilee exceeds expectations

Celebrations in 2009 of the 500th anniversary of the birth of the Protestant reformer, John Calvin, were a resounding success according to an assessment by the international committee which coordinated Calvin09 Jubilee activities.

“The results exceeded our expectations,” says the head of the International Patronage Committee, Clifton Kirkpatrick.

Branded by an attention-grabbing logo and website, the Calvin09 Jubilee year attracted worldwide attention and drew a far higher level of interest from the general public than expected.

“This year has both re-connected Reformed Christians to their roots and to each other,” Kirkpatrick declares. “The focus on Calvin has led many Reformed Christians to a new appreciation of their heritage and their connections with one another. We no longer felt the need to apologize for Calvin but rather found much in his thoughts, his actions and his legacy that is truly life-giving for our time.”

Kirkpatrick, who serves as President of the World Alliance of Reformed Churches, says many American members of the Reformed church movement noted striking similarities between current political priorities in the United States and Calvin’s social agenda: immigration, health care, and economic justice.

The economic and financial crisis also helped spread the church reformer’s ideas about economic and social ethics notes Thomas Wipf of the Federation of Swiss Protestant Churches.

Roland Benz, responsible for Jubilee projects organized by the Protestant Church of Geneva, affirms: “Something happened during this year, in the media as well as among the public, which went beyond church circles. The caricature of Calvin was challenged.”

“The Calvin09 year succeeded in bringing Reformed parishes closer to their Reformer,” says Achim Detmers, responsible for Jubilee activities in Germany.

The Jubilee showed Calvin’s impact has travelled well beyond Europe. Special events and publications marked the diffusion of Calvin’s writing and ideas from China to South Africa to Argentina.

“Our deepest hope is that the Calvin09 Jubilee will be just the beginning of a new appreciation and rediscovery of the legacy of Calvin which has the potential to renew our churches and our world as we move into the future,” says Kirkpatrick. “We have laid a solid foundation during this Jubilee year and can look forward to making a fresh contribution to broader ecumenical discussions.”

Plans are now underway to redevelop the Jubilee internet site www.calvin09.org as a global web portal for news and research into the impact of John Calvin’s legacy.

SEK: Klimagerechtigkeit: Erhebliche gesellschaftliche Anstrengungen nötig

Die Kirchen appellieren in einem Brief an die Schweizer Delegation zur Weltklimakonferenz. Die Schweiz steht eindeutig in der Pflicht, sich ohne Aufschub für verbindliche Massnahmen einzusetzen.

„Noch ist es nicht zu spät für Klimagerechtigkeit.“ Mit einem Brief wenden sich heute die Kirchen an die Schweizer Delegation zur Weltklimakonferenz „COP 15“, die im Dezember 2009 in Kopenhagen stattfinden wird.

Klimapolitik muss sachgerecht und menschengerecht sein: Sie muss den wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel respektieren und die Rechte der Hauptbetroffenen verteidigen. Dabei sind die Lasten gerecht zu verteilen. „Die Schweiz steht diesbezüglich eindeutig in der Pflicht“, heisst es in dem vom Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund, der Schweizer Bischofskonferenz und der Christkatholischen Kirche der Schweiz unterzeichneten Brief. Ein grosses Innovationspotential wartet darauf, diese Pflicht als Chance zu nutzen.

Die Kirchen haben schon während der Ersten Europäischen Ökumenischen Versammlung in Basel 1989 eindrücklich vor den Folgen des Klimawandels gewarnt. Heute stellen sich die Szenarien noch alarmierender dar, wenn die Politik nicht schnell und konsequent reagiert. Die Kirchen sprechen sich dabei für eine Treibhausgasreduktion um 40% für den Zeitraum 1990-2020 im Inland aus. Zusätzlich soll die Schweiz einen Beitrag in der gleichen Grössenordnung für Reduktions- und Anpassungsmassnahmen im Ausland leisten. Die Kirchen wissen, dass ihre Forderungen erhebliche gesellschaftliche Anstrengungen beinhalten.

Es erfordert ein hohes Mass an Mut und Verantwortung, die notwendigen Ziele und Massnahmen ohne Aufschub verbindlich zu vereinbaren. Die Kirchen appellieren an die Schweizer Delegation, sich an der Weltklimakonferenz in Kopenhagen in diesem Sinne einzusetzen. Im gleichen Sinne richten sie sich an die eidgenössischen Räte im Hinblick auf die Beratungen und Entscheidungen zur Revision des CO2-Gesetzes.

Diese Anliegen werden durch kirchliche Vertreter auch auf dem „Fest für eine wirksame Klimapolitik“ auf dem Bundesplatz in Bern am Samstag, 17. Oktober 2009, vertreten.